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Mittwoch - 23.03.2005

Die portugiesischen Azulejos
Kunstwerke auf Kacheln

Kachelgeschäft in Faro


al-zulaycha, al-zuliji, az-zulaij, al-zulayi - verschiedene Schreibweisen, doch die Bedeutung dieser aus dem Arabischen stammenden Worte ist die gleiche:
ein kleiner, bemalter, polierter Stein. Die Azulejos,
ursprünglich schon im 8. Jahrhundert von den Mauren
auf die iberische Halbinsel gebracht, erreichten Portugal
zwischen dem 14. und frühen 16. Jahrhundert.

Azulejos trifft man im ganzen Land, sie schmücken die Fassaden und Innenräume von Kapellen, Kirchen, Klöstern, Palästen und Villen, Bahnhöfen und anderen öffentlichen Gebäuden sowie auch Brunnen und Bänke. In den frühen Jahren wurden diese als Reliefsteine mit eingebrannter Farbe von den Mauren hergestellt und aus Südspanien importiert. Bevorzugt waren seinerzeit geometrische Muster und die Farbtöne Grün, Blau, Rotbraun und Schwarz.
Mit eingefetteten Schnüren wurde verhindert, dass die nebeneinander auf den Kacheln aufgebrachte Farbe ineinander verlief (Corda-Seca-Technik).


In einem Café in Silves


Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die aus Italien übernommene Majolika- oder Fayence-Methode zur Basis einer eigenen portugiesischen Kachelproduktion: gebrannte Kacheln erhalten dazu eine weiße Zinnglasur und werden anschließend mit Metalloxidfarben bemalt. Beeinflusst durch den Handel mit Flandern (Delfter Kacheln) sowie durch importierte Produkte der chinesischen Ming-Dynastie im beginnenden 17. Jahrhundert entwickelte sich ein eigener portugiesischer Stil. Bevorzugte Farben waren Blau und Gelb, Fliesenteppiche mit naturalistischen und exotischen Motive bedeckten ganze Hauswände, aber auch die Azulejos de motivo solto mit nur einer Figur pro Kachel waren verbreitet.


Museu Paroqual in Moncarapacho


Im nächsten Jahrhundert setzte sich der Barock mit
seinen außergewöhnlichen Kachelgemälden durch, oft mit kirchlichen Szenen wie dem Leben der Jungfrau Maria oder dem Leiden Christi. Nach dem verheerenden Erdbeben von 1755 wurde auf Anweisung des Marquês de Pombal die königliche Manufaktur Real Fábrica (Largo de Rato, Lissabon) angelegt.

Nachdem die Produktion von Azulejos in der Zeit der portugiesischen Bürgerkriege (Anfang 19. Jahrhundert) fast komplett zum Erliegen kam, blühte sie in der zweiten Hälfte des vorletzten Jahrhunderts wieder auf, wobei das moderne Siebdruckverfahren die traditionelle Handmalerei nach und nach ablöste. Der Jugendstil verhalf den Azulejos zu einer weiteren Blütezeit. Erst in den letzten Jahrzehnten besannen sich die Portugiesen wieder auf die traditionelle Nutzung des kleinen bemalten Steines - der Azulejos.


Heiligenbildnis in Albufeira



Die schönsten Beispiele für Azulejos

Igreja de São Lourenço dos Matos - Almancil
Prachtvolle Azulejo-Deko in kuppelgekrönter Kirche aus dem 16. Jahrhundert, direkt an der E.N.125


Palácio de Estói - Estói
Zweigeschossiger Flügelbau im Rokoko-Stil (Ende 18.Jh.), 1909 renoviert, mit besonders groß angelegten Motiven im umliegenden Park und an der Terrasse


Capela da Nossa Senhora da Conceição - Loulé
Winzige Kapelle mit flächendeckend gekachelten Wänden (18.Jh., Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria)


Sé Cathedral - Faro
Polychrome Kacheln aus dem 17.Jh. mit der Flucht der heiligen Familie nach Ägypten


Igreja da Misericórdia - Tavira
1541 errichtete Kirche mit Azulejofries
(18.Jh., Szenen der Barmherzigkeit)


Igreja Matriz de Santa María da Assunção - Alte
Dreischiffige Gemeindekirche aus dem frühen
16. Jahrhundert mit sehr schönen Azulejo-Dekoration


Largo 1° do Decembro - Portimão
Kachelgeschmückte Bänke mit Motiven aus der
Geschichte Portugals


Museu Nacional de Azulejo
Rua de Madre de Deus 4
1900-312 Lissabon

Tel. +351-218 100 340
Fax +351-218 100 369

E-Mail
mnazulejo@imc-ip.pt

Internet
www.mnazulejo-ipmuseus.pt

DI
14.00-18.00
MI-SO
10.00-18.00
Letzter Einlass um 17.30


Link: Museu Nacional do Azulejo

Katgorie: Stories & Reportagen
Geschrieben von: Ingo (ingo@algarve-live.de)