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Montag - 23.10.2006

Fado - der Klang des Schicksals
Auf der Suche nach der portugiesischen Sehnsucht

Fado bedeutet Schicksal. Der Fado ist weder Folklore noch Volksmusik, sondern Ausdruck dieses typisch portugiesischen Seelenzustandes: der Saudade. Jenes Gefühl von Weltschmerz, von den Sängern des Fados, den Fadistas, gekleidet in herbzarte Klangpoesie. Sie besingen die Schwere des Alltags, die Schmerzen der Liebe, die Sehnsucht nach dem Meer, die verzweifelte Suche nach etwas nie Gehabtem oder für immer Verlorene, aber und vor allem auch die Stadt Lissabon. Ihren Gesang begleitet jener der Viola, der spanischen Gitarre, und der Guitarra portuguesa, einer Art Laute.

In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts hörte die Lissabonner Gesellschaft in den Volkskneipen der Alfâma, der Mouraria, des Bairro Alto und des Madragoa-Viertels erstmals die innigen Klänge des Fado. Seine berühmteste Interpretin damals war Maria Severa Onofriana aus der Mouraria. Die große alte Dame des Fado im 20. Jahrhundert war Amália Rodrigues, die auch nach ihrem Tod 1999 vor allem in ihrem Geburtsviertel, der Alfâma noch immer wie eine Göttin verehrt wird. So gibt sogar ein Musical (Amália), das sich ihrem Leben und Werk widmet. Amálias Wohnhaus in Lissabon, das im Juli 2001 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, hat sich nicht nur bei den Bewohnern Lissabons, den Lisboetas, zur Pilgerstätte entwickelt. Inzwischen halten innovative Sängerinnen wie Misia, Mafalda Arnauth oder Katia Guerreiro die Fadotradition lebendig. In Lissabon gibt es auch ein eigenes Fadomusuem, die Casa do Fado e da Guitarra Portuguesa am Saum der Alfâma.

Eher entfernter Verwandter des Fado in Lissabon ist der Fado de Coimbra, seit dem 19. Jahrhundert in der alten Universitätsstadt Coimbra gesungene Balladen, die oft vom Studentenleben und der Liebe handeln. Viele Texte sind dabei kritisch und politisch. Während der Diktatur war diese Musik Ausdruck der Opposition gegen die soziale Verelendung des Volkes.

Auch in den früheren Kolonien Portugals hat sich der Fado verbreitet und sich zur kapverdischen Morna einer Cesária Évora und zum brasilianischen Choro weiterentwickelt. Eine eigenwillige und Elemente des Fado verwendende Musik entwickelte die international bekannt gewordene Gruppe Madredeus mit ihrer Sängerin Teresa Salgueiro. Fado muss aber nicht nur traurig sein, sondern hat auch eine fröhliche Seite. Das zeigt sich bei der Variante, die zu den, im Gegensatz zu Spanien nicht tödlich endenden, Stierkämpfen (Tourada) gesungen wird.

Katgorie: Stories & Reportagen
Geschrieben von: Ingo (ingo@algarve-live.de)