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Montag - 23.12.2013

Der Heilige Abend in Portugal

Der heilige Abend wird gekrönt von der Mitternachtsmesse, die von den portugiesischen Christen wie in anderen Ländern auch um Mitternacht begangen wird. Diese Missa do Galo wird in allen katholischen Kirchen in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember abgehalten. Am nächsten Morgen, am ersten Weihnachtstag, begehen katholischen Christen die Missa do Dia de Natal. Begleitet werden die Katholiken zu den Messen oft von Menschen anderer Konfessionen und Nichtchristen.


Weihnachtliche Schaufensterdekoration


Der eigentliche Heilige Abend beginnt bei den katholischen Gläubigen mit einem Abendessen zur gewohnten Zeit, um rechtzeitig zur Mitternachtsmesse fertig zu sein. Nicht praktizierende Katholiken können sich Zeit lassen, haben sie doch den ganzen Abend für ihr feierliches Abendessen, welches sich oft bis Mitternacht hinstreckt. Nach dem Essen, meist gegen Mitternacht, werden unter den Familienangehörigen die Geschenke verteilt, denn nach dem neuen Testament empfing das Jesuskind nach seiner Geburt allerlei Gaben.

Nicht nur die Gemeinden werden mit Krippen geschmückt, auch in ihren Häusern und Wohnungen stellen die Menschen Weihnachtskrippen. Als Weihnachtsbaum dienen oft kleine auf Straßen und Märkten angebotene Strandkiefern und Pinien, die dann als Árvore de Natal geschmückt werden.

Erst im 19. Jahrhundert hielten der Weihnachtsbaum Árvore de Natal sowie der Weihnachtsmann Pai Natal Einzug in Portugal, die dieses Brauchtum aus dem nördlicheren Europa gerne übernommen haben. Wie in Deutschland ist der Weihnachtsbaum der Platz im Raum, an dem die Geschenke aufgestellt werden, um nach dem Essen verteilt zu werden. Während sich ganz im Sinne moderner Zeiten Paare und Freunde beschenke, ist es bei der ärmeren Bevölkerung Brauch geblieben, nur die Kinder zu beschenken. Oftmals stellen die Kinder Ihre Schuhe vor den Kamin in der Hoffnung, dass Menino Jesus, das Christkind, oder Pai Natal, der Weihnachtsmann, während der Nacht die erwünschten Geschenke bringt. Bei diesen Familien beginnt die Bescherung somit am Morgen des ersten Weihnachtstages.

Kulinarische Festlichkeiten
Portugal liebt Süßes - in der Weihnachtszeit um so mehr. Die seit Jahrhunderten überbrachten Rezepte für Backwerk und Desserts der portugiesischen Küche beherrschen an diesen Tagen die Speisefolge. Der berühmte Bolo Rei, der Weihnachtskuchen, einem großen runden Kuchen mit Rosinen, Mandeln und Nüssen und kandierten Früchten, lässt die Küchen schon in den Tagen vor Weihnachten duften. Man tunkt ihn beim Verzehr gerne in Milchkaffe. Verschenkt wird er als Kleinigkeit in der Vorweihnachtszeit oder im Januar zum Dreikönigstag. Wie zum Beispiel auch in Frankreich üblich verbirgt er oft ein in Seidenpapier gewickeltes Geschenk und eine Bohne. Auch hier steht das Geschenk, vielleicht eine kleine Porzellanfigur, für die Gaben, die die drei Weisen der Heiligen Familie überreichten. Und der Finder der Bohne, welche meist eine Saubohne ist, weiß, dass er im nächsten Jahr an der Reihe ist, den Bolo Rei zu verschenken.

Andere Köstlichkeiten sind Sonhos, die unseren Krapfen ähneln, Filhoses, die Waffel- oder Blütenkuchen, Fatias douradas, eine Art Armer Ritter, ein Honigbrot aus Maismehl oder Sonhos de Gila, Gebäck mit Kürbiskonfitüre. Aus Madeira kennt man den Bolo de mel, der Honigkuchen, der schon ein Jahr vorher gebacken wird, ehe er auf den Weihnachtstisch kommt.

Auch sonst besteht das allüberall am Heiligen Abend festlich servierte Weihnachtsessen aus traditionellen Gerichten wie Bacalhau com todos, Stockfisch mit Allerlei, Perú recheado, gefüllte Pute, oder Pato de arroz, Entenfrikassee mit Reis. Im Norden mit seinem Zentrum Porto hat sich Polvo cozido, gekochte Krake, einen Platz am Weihnachtstisch erobert. Gekochte Kartoffeln, Blumenkohl, Kohl oder grüne Bohnen, Karotten oder Brokkoli sind die Beilagen, als Vorspeise können Garnelen oder Muscheln gereicht werden. Zum opulenten Mahl gehören gute Weine aus dem Alentejo, dem Douro oder dem Ribatejo, je nach Haushaltslage ein alter Portwein, und vielleicht als Digestiv ein Aguardente, der portugiessiche Klare, ein Medronho, dem Erdbeerbaumschnaps aus der Algarve oder ein Likör.

Weihnachtliches Brauchtum
Wie überall in der Welt verschönen auch in Portugal Lieder das Weihnachtsfest. Sie zeugen von den Ereignissen in Bethlehem, sie rufen in Chorälen und säkularen Liedern zum Frieden und zur Eintracht in der Welt auf. Die portugiesischen Kinder lernen sie in der Schule, und alle Gläubigen singen sie zuhause und in den kirchlichen Messen.

Vor dem Christentum bestimmten heidnische Feste die Zeit der Wintersonnenwende, noch heute finden stoßen diese Bräuche vor allem in den portugiesischen Provinzen Trás-os-Montes und Beira auf Interesse, wo sie von Laienspielgruppen in den Autos de Natal, den Weihnachtsspielen, gezeigt werden. Die auftretenden Darsteller verkörpern neben den bekannten Krippenfiguren auch Gott und den Teufel: Die Wurzeln dieser Spiele sind bis ins Mittelalter zurück verfolgbar, wenn auch nicht viel über sie bekannt ist. Ihre Texte bestehen normalerweise aus gereimten Versen, die in der Umgangssprache vorgetragen werden, in der Stadt Miranda do Douro hingegen in Mirandês erzählt werden, der dort vorherrschenden Mundart.

Musik, Tanz und Gesang begleiten die Aufführungen, die trotz ihres Bezugs zur christlichen Tradition heidnischen Ursprungs sind und die ganz gezielt lokale Begebenheiten aufs Korn nehmen und soziale Ungerechtigkeiten zu verurteilen. In den Dörfern um Bragança in Trás-os-Montes setzen sich die jungen Leute für diese Aufführungen Masken aus Holz und Blech auf und bekleiden sich mit vorwiegend roten und in Streifen gerissenen Stofffetzen oder mit Strohkostümen. So ziehen sie durch ihr Dorf, singend und Dudelsack spielend.


Boas Festa - Frohe Weihnachten

Katgorie: Kultur Allgemein
Geschrieben von: Algarve Live (news@algarve-live.de)